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Die Kramperl (Krampus, Toifi, Teufel) laufen in Gastein jeweils am 5. und 6. Dezember. Über ihre Ursprünge werden seit dem 18. Jh. die verschiedensten Deutungen dargelegt. Zimburg, der wie die meisten Forscher des 19. und 20. Jhs. nur eine germanische Wurzel des Perchtenbrauchtums akzeptiert, schreibt z. B. "Sie sind als Überreste der nächtlichen Läufe der schiachen Perchten übriggeblieben. Sie wollen durch ihr unheimliches Aussehen sowie den Lärm ihrer Glockenrollen unheilbringende Kräfte verscheuchen und gehören daher zu den dämonenvertreibenden Perchtenfiguren. E. Hutter schreibt u.a., dass sich der Klaubauf bruchlos in die Reihen vieler anderer Drohgestalten einfügt. Leider wurde durch diese einseitige - nur in eine gewisse Richtung gehende - Forschung, in der anderslautende Thesen sogar unter Verschluss gehalten wurden, viel Zeit vertan, um Klarheit in diese Materie zu bringen.
Heute wissen wir aber, dass sich Maskenläufe mit Schönen und Hässlichen, sowie mit Nachfahren der mittelalterlichen Dämonengestalten in ganz Europa finden. In Salzburg sind diese Läufe bereits seit dem frühen 17. Jh. archivarisch nachweisbar. Teufelsmasken aus dem 18. und 19. Jh. finden sich im SMCA in Salzburg. Im Museum Bad Gastein kann man eine Larve bewundern, welche um 1850 geschnitzt wurde. Dämonen und Teufelsmasken sind auch im Kirchen- und Klosterbrauch des 12. Jhs. nachweisbar. Das Wort Larva ist übrigens eine Abwandlung des lat. Ausdruckes "Larva" für "bösen Geist, Gespenst" und kann im deutschen seit dem 14. Jh. nachgewiesen werden.
Die Larven - in Gastein durchwegs Kopf genannt - wurden früher hauptsächlich von bäuerlichen Schnitzern geschaffen und hatten keine fratzenhaften, sondern immer sehr menschenähnliche Gesichtszüge. In Bad Gastein waren die vom bereits verstorbenen Schnitzer Karl Hummel gestalteten Köpfe vorherrschend. Sie sind immer dreifarbig, alle Köpfe sind schwarz, haben weiße Zähne und Augäpfel und rote Lippen. Charakteristisch für die Bad Gasteiner Masken sind die Schlitzaugen sowie der überaus lange Schnauzbart.
Heute werden die Larven von geschickten und fähigen Amateuren geschnitzt, die sich konsequent am traditionellen Hummelstil orientieren und glücklicherweise den heute modischen Firlefanz, wie er leider auch schon manchmal in Hofgastein zu beobachten ist, nicht mittragen. Bekannte Bad Gasteiner Schnitzer sind Hias Rieser, Hans Knoll, Gert Kalt, Felix Brandner sowie Hans-Peter Hohenberger.
Die Bekleidung besteht aus einem langen, weißen Schaffellmantel. Dem schwierig zu verarbeitenden Material entsprechend, findet eine einfache Schnittform Anwendung. Die Felle werden von Hand mit Spagat zusammengenäht. Für einen Mantel benötigt man 5 bis 6 Felle. Passend zum Mantel werden meistens mit Schaffell überzogene Stiefel getragen. Die paarweise an einem breiten Ledergurt befestigten Glockenrollen stammen großteils vom Badbrucker Schmiedemeister Franz Mistelbauer und werden nach alter Weise in schwerer Handarbeit aus Metall getrieben. Das Gewicht der Rollen dient auch zum Balanceausgleich für den, mit einem Riemen befestigten Klaubaufkopf.
Die Rollen stammen eigentlich von den einstigen Saumpferden, welche die Waren über den Tauernpass brachten. Das laute Glockenrollen verriet auch im dichtesten Nebel das Herannahen einer Samerkolonne. Die Hörner der Klaubaufköpfe in Gastein sind ausnahmslos (!) Ziegen- und Widderhörner. Diese sind heute nur mehr sehr schwer und damit äußerst kostspielig zu erwerben. Noch in den 50-er Jahren des 20. Jhs. machte dies keine Schwierigkeiten, da früher im Pongau Ziegenbockfleisch gerne als Spezialität gegessen wurde. Heutzutage werden sie von den Bauern aber kaum mehr gehalten.
Bis zum Jahr 1950 wurden die Klaubaufköpfe im gesamten Gasteinertal in fast gleicher Form geschnitzt. Erst der begnadete Hofgasteiner Bildhauer Sepp Lang (gest. 1983) revolutionierte mit seiner im Jahr 1950 gegründeten Pass mit kunstvoll, professionell geschnitzten Larven das Kramperllaufen vollständig. Ab dieser Zeit wollte jeder Hofgasteiner Krampusläufer einen "Lang-Kopf" besitzen und die alten Larven wurden immer weniger verwendet. In Bad Gastein hingegen blieb man der alten Tradition treu und die Masken wurden weiterhin in der überlieferten Form hergestellt.
Die unterschiedliche Schnitztechnik ist heute auch für Laien leicht feststellbar. Sepp Lang war der Vorläufer aller heute wirkenden Schnitzer. Nur werden jetzt die Köpfe - besonders im Salzachpongau - bereits zu verzerrt und fratzenhaft ausgeführt. Zu erwähnen wäre noch, dass es heute fast unmöglich ist, eine echte Lang-Maske zu erwerben und wenn, zu einem extrem hohen Preis. In späterer Zeit wirkten der Hofgasteiner Bildhauer Sepp Viehauser, Sepp Lindebner, Ludwig Lairer und Max Kössler als Krampuskopfschnitzer.
Im Gegensatz zu Bad Gastein, wo man weiterhin Schaffellmäntel verwendet, wurden diese in Hofgastein seit ca. 1990 immer mehr von Hosenanzügen abgelöst, für deren Herstellung man ebenfalls Felle braucht. Für die Hofgasteiner Kramperl charakteristisch sind die langen Roßschwänze anstelle von Ruten. Die Rollen werden zum Großteil vom Badbrucker Schmiedemeister Franz Mistelbauer angefertigt, wobei zu erwähnen ist, dass erst ab ca. 1950 die bis dahin hauptsächlich verwendeten Glocken von den in Mode gekommenen Rollen, abgelöst wurden.
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